Das vergangene Jahr hat uns eines gezeigt: Die Digitalisierung im Unternehmensbereich ist nicht nur ein wohl klingendes Schlagwort einiger Politiker, sondern dringend notwendig. Was bis dahin gerne mal nur stiefmütterlich behandelt wurde, ist für viele kleine Unternehmen und Selbstständige nun unausweichlich. Der Trend der Verlagerung von Produkten und Dienstleistungen ins Internet wird 2021 fortgesetzt werden und wohl die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft verändern.

Inhaltsverzeichnis

Die immer noch andauernden Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben den Arbeitsalltag gehörig verändert. Viele mussten ein Notprogramm starten und haben daraus eine Tugend gemacht. Das Home Office ist mittlerweile für viele zum Lebensmittelpunkt geworden. Beruf und Privates vermischen sich. Ein Chef, der bis dato der Meinung war, seine Angestellten würden zu Hause nicht effektiv arbeiten können, wurde vielfach eines besseren belehrt.

Was Selbstständige und Freelancer schon immer zu schätzen wussten, ist nun auch in größeren Betrieben angekommen. Und selbst das regionale Gewerbe hat die Zeichen der Zeit erkannt: Restaurants liefern nun auf Bestellung über die eigene Website, Einzelhändler verkaufen Ihre Waren über einen Online-Shop. Kleine Unternehmen sind sogar im Vorteil gegenüber großen Konzernen: Hier kann oft der Chef selbst entscheiden. Langatmige Veränderungsprozesse gibt es hier nicht.

Warum sich viele Unternehmer schwer tun mit der Digitalisierung

Der Vorteil der kurzen Entscheidungswege wird leider immer noch zu wenig genutzt. Auch wenn das Tempo der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen ist – das Internet ist für viele immer noch Neuland. Gerade klassische Branchen wie Handwerk, produzierendes Gewerbe oder Gastronomie sind in der digitalen Welt oft unterrepräsentiert.

Viele erkennen den Sinn einer eigenen Website oder eines Social Media Auftritts nicht. Man hält an bewährten und vertrauten Methoden fest. Ist man es beispielsweise gewohnt Aufträge per Telefon anzunehmen und hat auf diese Weise bisher genug Kunden bekommen, stellt man sich natürlich die Frage: Wozu dann überhaupt eine Website? Doch die Kunden sind schon viel weiter: Sie sind schon lange im Netz unterwegs und werden in Zukunft erwarten, dass auch Dienstleister und Produzenten vor Ort eine Online-Terminvergabe anbieten.

Oft scheut man auch den Aufwand. Vielleicht steht man mit der Technik auf Kriegsfuß, hat bereits schlechte Erfahrungen mit Werbeagenturen und Webdesignern gemacht oder hat keine Lust und Zeit ständig Beiträge bei Facebook zu posten. Aber wenn der Kunde nicht mehr in den Laden vor Ort gehen kann und in Zukunft vielleicht auch gar nicht mehr gehen möchte, wie soll man dann mit ihm in Kontakt treten? Wenn das Telefon bei kommenden Generationen fast nur noch für geschriebene Nachrichten genutzt wird statt zum klassischen Telefonieren, wer soll dann in Zukunft noch Ihre Angebote wahrnehmen?

Oft fehlt auch nur einfach die richtige Strategie. Statt sich zunächst Gedanken darüber zu machen, welche Formen der Digitalisierung im eigenen Betrieb überhaupt Sinn machen, stürzt man sich kopflos in diverse Projekte. Entweder scheitert man schon auf den ersten Metern, weil das Wissen zur Umsetzung fehlt, oder man stellt fest, dass eine Maßnahme nichts bringt und man viel Zeit und Geld umsonst investiert hat. Das kann frustrierend sein und bestärkt viele darin, dass die bewährten Muster besser sind.

Doch dann kam 2020. Das letzte Jahr war für viele kleine Betriebe und Selbstständige, die schon vorher finanziell am Limit gewirtschaftet haben, ein hartes Jahr. Wer dann auch noch digital schlecht aufgestellt war, der hatte umso mehr zu kämpfen. Denn die notwendigen Investitionen konnten nun nicht mehr geleistet werden. Viele standen vor dem wirtschaftlichen Aus. Davon könnten 2021 aufgrund des zweiten Lockdowns noch mehr betroffen sein.

2021: Darauf müssen sich Unternehmer einstellen

Wer aktuell noch Ressourcen hat, sollte sie dieses Jahr dazu nutzen, sein Unternehmen einmal komplett auf den Kopf zu stellen. Dann weiß man auch, an welchen Stellschrauben man drehen muss, um sich für die Zukunft zu rüsten. Die Digitalisierung ist mit ihren diversen Herausforderungen nur eine davon. Die 7 sogenannten „Fjord-Trends 2021“, erstellt aus einer Untersuchung von Designern und Kreativen der Unternehmensberatung Accenture Interactive, zeigen, worauf man sich einstellen sollte.

Die Kunden sind im Internet

Unser Alltag hat sich noch mehr in die digitale Welt verschoben. Die Menschen versuchen ihren Pflichten nachzukommen und suchen dafür auch neue Wege. Wer bisher am PC im Großraumbüro neben seinen Kollegen saß, sitzt jetzt im Home Office und unterhält sich per Videochat. Einkäufe im Laden vor Ort werden auf ein Minimum reduziert. Immer mehr shoppen online. Kinder werden zu Hause unterrichtet, oft auch mit Unterstützung digitaler Medien. Der Erwachsene versucht sich online weiterzubilden. Und selbst lieb gewonnene Hobbies werden durch digitale Alternativen ersetzt. Als Unternehmer sollte man diese neuen Wege mitgehen, um mit seinen Kunden in Kontakt treten zu können.

Mitarbeiter sorgen für Innovationen

Menschen neigen in Extremsituationen zu mehr Kreativität. Wenn schnelle Lösungen gefragt sind, ist keine Zeit erst lange zu diskutieren. Dann sind Macher gefragt, die Innovationen vorrantreiben. Der Angestellte im Home Office nutzt das Bügelbrett als Stehpult, Mama wird zur Lehrererin für ihre Kinder, Künstler streamen Bühnenshows oder Konzerte ins Internet. Damit das im Unternehmen auch funktioniert, müssen den Mitarbeitern genügend Freiräume gelassen werden.

Chef vs. Angestellter vs. Arbeit

Das Arbeiten im Home Office stellt komplette Unternehmenshierarchien auf den Kopf. Die Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber galten bisher nur für den Arbeitsplatz im Unternehmen. Aber wer bestimmt jetzt, was der Mitarbeiter in seinen eigenen vier Wänden hinter der Webcam anzieht? Und wie sieht es mit dem Recht auf Privatsphäre aus? Möchte man, dass der Chef während einer Videokonferenz die Kinder hinter einem spielen sieht und zuschauen kann, wie die Frau gerade das Essen serviert? Gleichzeitig fehlt durch die räumliche Distanz und das Arbeiten in der gewohnten häuslichen Umgebung die Möglichkeit der Kontrolle. Konnte man im Büro schnell mal am Arbeitsplatz des Mitarbeiters vorbeischauen, ist der Einfluss des Vorgesetzten nun geringer. Der Mitarbeiter wird gefühlt zum Selbstständigen.

Das Kauferlebnis muss neu gedacht werden

Immer mehr Konsumenten kaufen online. Hier fehlt das typische Kauferlebnis, wie man es im Laden vor Ort hat. Man kann das Produkt nicht erleben, man kann es nicht anfassen, man kann nicht daran schnuppern oder es gar mal testen. Es gilt daher sich als Unternehmen auf die „letzten Meter vor dem Verkauf“ zu konzentrieren, das Verkaufserlebnis auch online spannend zu gestalten. Und wer online noch gar nichts verkauft, der muss erst einmal die physische Infrastruktur dafür erschaffen und seine altbewährten Lieferketten überdenken.

Design und Inhalte müssen überraschen

Je länger man im Web unterwegs ist, desto mehr merkt man, wie gleichförmig Websites doch heutzutage aussehen. Galt bis dato der Leitspruch „Inhalte vor Design“, wird die Optik nun wieder wichtiger. Denn die Konkurrenz im Netz wird größer werden. Um aufzufallen, muss man sich abheben von der Masse und darf den Nutzer vorm Bildschirm auch gerne mal überraschen.

Klare Positionierung

Fehlende menschliche Kontakte, Jobverlust, eingeschränkte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung – ein Verlust an Orientierung und Sinn ist die Folge. Vertrautes bricht weg und hinterlässt eine schmerzliche Leere. Gerade jetzt geben Werte Orientierung, Klarheit und Hoffnung. Auch Unternehmen müssen daher deutlich kommunizieren, wofür sie stehen. Es gilt Prioritäten zu setzen und sein Handeln um die Schwerpunkte herum aufzubauen.

Neue Rituale

Dem Kunden die Hand reichen zur Begrüßung? Den Kollegen zum Geburtstag umarmen? Die gemeinsame Betriebsfeier? Diese kleinen Rituale sind 2020 leider nicht mehr Teil unseres Alltags gewesen. Wer Mitarbeiter hat, der weiß, dass viele diese Gesten vermissen. Gerade im Hinblick darauf, dass viele Unternehmen das Home Office auch in Zukunft weiter vorrantreiben wollen, sollten neue Rituale geschaffen werden. Wie wäre es beispielsweise mit einer Online-Betriebsfeier? Das Essen wird vom Lieferdienst gebracht, Chef darf bezahlen und man isst in gemeinsamer Runde vor der Webcam. Helfen Sie nicht nur Ihren Kunden, sondern auch Ihren Mitarbeitern bei der Sinnsuche.

Jens Hofmann ist Web- und Grafikdesigner bei jotdesign

Digitalisierung nicht um jeden Preis

Für viele Unternehmer und Selbstständige ist der Weg ins Netz eine Chance. Aber das "Digitale" ist nicht die eierlegende Wollmichsau. Es ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Dem einen bringt es mehr Kunden und damit mehr Umsatz, dem anderen hilft es seinen eigenen Arbeitsalltag zu erleichtern. Und doch fehlt in der Welt von Einsen und Nullen etwas Entscheidendes: die Lebendigkeit des menschlichen Miteinanders. Ein Händedruck, eine Umarmung oder der Augenkontakt im direkten Gespräch können nicht digitalisiert werden. Und das ist auch gut so. Denn das sind doch die Dinge, die das Leben erst lebenswert machen.

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